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Exogene ursächliche Faktoren beim malignen Melanom

Einfluss des ultravioletten (UV) Sonnenlichts und Vorsorgemaßnahmen

Die regionale Melanomhäufigkeit der Erdbevölkerung zeigt große Unterschiede in Abhängigkeit von der Sonneneinstrahlung und dem durch die Besonderheit der Pigmentierung bedingten Hauttyp der Einwohner. Die Häufigkeit ist dort am größten, wo sich aus sonnenarmen Regionen stammende Bevölkerungsgruppen in sonnenreichen Regionen niedergelassen haben (Australien mit seinem großen Anteil irisch-keltischer Bevölkerung, Neuseeland, Südstaaten der USA). Sie steigt in Europa besorgniserregend in nördlichen Regionen an, wo Menschen mit geringem konstitutionellem Sonnenschutz der Haut zunehmend in Urlaubszeiten sonnenreiche Regionen aufsuchen. In unseren nördlichen Breiten wird auch in zunehmendem Maß eine Ozonabnahme in der Stratosphäre nachgewiesen (über Europa in den vergangenen zehn Jahren durchschnittlich 3-5%, regional und saisonal sogar über 10%), was die UV-Lichtexposition in diesem Lebensraum und damit auch das Melanomrisiko erhöht. Auch die Tatsache, dass sich Melanome überwiegend in nicht an das Sonnenlicht angepassten Körperarealen, die in der Freizeit und im Urlaub intensiver UV-Strahlung ausgesetzt werden, oder in permanent lichtexponierten Hautregionen (insbesondere das Lentigo-maligna-Melanom) entwickeln, lässt den Einfluss der Sonnenexposition auf die Melanomentstehung erkennen.

Schäden der DNA (Desoxyribonukleinsäure, Erbinformation im Zellkern) von Hautzellen durch kurzwelliges Licht, die im Fall der pigmentbildenden Melanozyten eine Melanomentstehung zur Folge haben können, entstehen in großer Häufigkeit und bereits durch UV-Dosen, die noch unterhalb der Dosis liegen, die eine Hautrötung hervorrufen. Sie werden in diesem Ausmaß jedoch vollständig repariert und haben keine Folgen. Je intensiver die Strahleneinwirkung jedoch ist und je stärker sie von einer Hautrötung gefolgt ist, um so mehr wächst das Risiko, dass ein Defekt der DNA verbleibt, da eine Wiederherstellung des Erbmaterials nicht bei jedem Schadensausmaß und insbesondere nicht in beliebiger Häufigkeit wiederholbar ist.

Neben der gesamten UV-Dosis, der man im Lauf des Lebens ausgesetzt ist, spielt bei der Entstehung des malignen Melanoms die Art der Exposition wahrscheinlich eine viel bedeutendere Rolle. Das Auftreten mehrerer (mehr als 3) starker, z.B. mit Blasenbildung einhergehender Sonnenbrände im Verlauf des Lebens steigert das Melanomrisiko wahrscheinlich in stärkerem Maße als eine anhaltend gleichmäßige Sonnenexposition mit vergleichbarer kumulativer Enddosis. Man schätzt, dass 3 Sonnenbrände während der Kindheit und Jugend, wenn sie mit Blasenbildung einhergehen, das Risiko, im Lauf des Lebens ein Melanom zu entwickeln, 4- bis 5mal gegenüber der normalen Bevölkerung vergrößern. Es hat sich gezeigt, dass Sonnenschäden in der Kindheit und Jugend mit einem größeren Melanomrisiko verbunden sind als später erworbene Sonnenschäden.

Dies sollte vor allem deshalb Beachtung finden, weil etwa 50-80% der Sonnenexposition der gesamten Lebenszeit in den ersten 18 Lebensjahren erfolgt. Der Sonnenschutz muss in der Tat in der Zeit am größten sein, in der er bisher am meisten vernachlässigt wurde.

Erwähnenswert ist, dass das Melanomrisiko durch intensive UV-Strahlen in der Kindheit und Jugend umso mehr erhöht wird, je weniger die Haut an Sonnenlicht angepasst ist. So sind Jugendliche, die normalerweise in Räumen arbeiten und mehrere Sommer nacheinander einen Ferienjob im Freien annehmen, besonders gefährdet.

Die krebserregenden Folgen einer Schädigung der Haut durch UV-Licht treten meistens erst 10-30 Jahre nach der Einwirkung in Erscheinung.